VASCbenigneVaskuläre Läsion
Vaskuläre Läsionen sind gutartige Veränderungen der Blutgefäße in der Haut — dazu zählen Hämangiome („Blutschwämmchen“), Kirschangiome („Rubinflecken“), Angiokeratome und pyogene Granulome.
Stand: Mai 2026 · Quellen: AWMF, RKI, DKFZ
Das müssen Sie wissen
- Vaskuläre Läsionen sind gutartige Veränderungen der Blutgefäße — Kirschangiome („Rubinflecken“) haben über die Hälfte der über 60-Jährigen, oft multipel.
- Der Glasspateltest hilft beim Selbstcheck: Unter Druck mit einem durchsichtigen Gegenstand entleert sich das Blutgefäß und die rote Farbe blasst sichtbar ab — Pigment lässt sich nicht wegdrücken.
- Thrombosierte Hämangiome können dunkelblau bis schwarz werden und einem Melanom ähneln — im Zweifelsfall immer ärztlich abklären lassen.
Was ist eine vaskuläre Läsion?
Vaskuläre Läsionen sind gutartige Veränderungen der Blutgefäße in der Haut. Dazu zählen Hämangiome („Blutschwämmchen“), Kirschangiome („Rubinflecken“, auch „senile Hämangiome“), Angiokeratome und pyogene Granulome. In der Regel sind sie harmlos. Optisch fallen sie durch ihre rote bis violette Färbung auf — bei einer Verstopfung des Gefäßes (Thrombosierung) können sie jedoch dunkelblau bis schwarz werden und einem Melanom ähneln.
Häufigkeit in Deutschland
Kirschangiome treten ab dem 30. Lebensjahr auf und sind im höheren Alter nahezu universell — über die Hälfte der über 60-Jährigen hat mindestens ein Kirschangiom, bei sehr alten Menschen finden sie sich praktisch immer. Infantile Hämangiome kommen bei etwa 4 % aller Neugeborenen vor (bei Frühgeborenen unter 1.000 g deutlich häufiger) und bilden sich in 85 % der Fälle bis zur Pubertät spontan zurück. Pyogene Granulome entstehen am häufigsten zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr und auch in der Schwangerschaft („Schwangerschaftstumor“).
Risikofaktoren
- Höheres Alter (Kirschangiome ab 30. Lebensjahr, im Alter nahezu universell)
- Genetische Disposition für multiple Kirschangiome
- Frühgeburtlichkeit (infantile Hämangiome bei unter 1.000 g deutlich häufiger)
- Schwangerschaft (gehäuftes Auftreten pyogener Granulome)
- Mechanische Reizung oder kleine Hautverletzungen (Pyogenes Granulom)
- Hohes Lebensalter (Angiokeratome an Skrotum oder Vulva)
Woran erkennt man eine vaskuläre Läsion?
- Farbe: Hellrot, kirschrot, dunkelrot oder violett — bei Thrombosierung schwarz-blau und damit melanomähnlich.
- Form und Begrenzung: Scharf begrenzte, runde oder ovale Papeln oder Flecken.
- Wegdrückbarkeit (Glasspateltest): Bei Druck mit einem durchsichtigen Gegenstand entleert sich das Blutgefäß und die rote Farbe blasst sichtbar ab — ein klassisches Unterscheidungsmerkmal zu pigmentierten Läsionen. Bei thrombosierten Läsionen funktioniert der Test allerdings nicht.
- Dermatoskopisch: Scharf abgegrenzte rote oder dunkle „Lakunen“ (Blutgefäßräume).
- Pyogenes Granulom: Schnell wachsender, leicht blutender roter Knoten, oft nach kleinen Verletzungen oder in der Schwangerschaft („Schwangerschaftstumor“).
Regulatorische und wissenschaftliche Einordnung
Bedeutung für KI-Klassifikationssysteme
VASC ist mit 142 Bildern (1,4 %) eine unterrepräsentierte Klasse — die für DF beschriebenen Imbalance-Probleme gelten analog (Art. 10 und Art. 15 EU AI Act). Klinisch entscheidend ist die Subgruppe thrombosierter Hämangiome: Diese erscheinen dunkel bis schwarz, asymmetrisch und scharf begrenzt — also mit Merkmalen, die einem nodulären Melanom sehr ähneln; in der dermatologischen Literatur sind Fallberichte dokumentiert, in denen solche Läsionen unter Melanomverdacht exzidiert wurden. Eine klinische Validierung muss thrombosierte VASC explizit als Subgruppe abdecken, sonst entsteht ein Out-of-Distribution-Risiko, das nach Art. 9 EU AI Act im Risikomanagement zu adressieren ist.
Regulatorische Einordnung
Wie beim Dermatofibrom ist auch hier ein zentrales Differenzialmerkmal — der Glasspateltest — bildbasiert nicht prüfbar; die Modellkarte muss diese Limitation transparent ausweisen und Nutzer auf die manuelle Prüfung verweisen. Eine Triage-KI für VASC fällt unter MDR-Klasse IIa (Information für Triage); im EU AI Act gelten die Hochrisiko-Pflichten nach Art. 6 Abs. 1 in Verbindung mit Anhang I (Geltung für Medizinprodukte ab 02.08.2027): Risikomanagement (Art. 9), Daten-Governance (Art. 10), Transparenz (Art. 13) und Genauigkeit/Robustheit (Art. 15).
Limitationen dieses Demonstrators
Diese Anwendung ist ein Compliance-Demonstrator ohne medizinische Zweckbestimmung und kein Medizinprodukt im Sinne der MDR. Wegen der geringen Klassengröße sind VASC-Vorhersagen mit weiten Konfidenzintervallen behaftet. Besonders kritisch ist die Subgruppe thrombosierter Hämangiome — bei jeder dunklen, schwarz oder blau-violett erscheinenden Läsion gilt: Glasspateltest manuell durchführen oder dermatologisch abklären lassen, bevor das KI-Ergebnis als „gutartig“ interpretiert wird.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie & beteiligte Fachgesellschaften. (2020). S2k-Leitlinie Infantile Hämangiome im Säuglings- und Kindesalter (AWMF-Registernummer 006-100). https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/006-100
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). (o. D.). Hämangiom (Blutschwamm). gesundheitsinformation.de. https://www.gesundheitsinformation.de/haemangiom-blutschwamm.html
- Altmeyer, P. (o. D.). Angiom seniles (Kirschangiom). Enzyklopädie Dermatologie. https://www.altmeyers.org/de/dermatologie/angiom-seniles-1310
- DocCheck Medical Services. (o. D.). Rubinfleck. DocCheck Flexikon. https://flexikon.doccheck.com/de/Rubinfleck